Baslerstab, 15. Oktober 2014 "Wenn aus einem Vorhang ein Kleidchen wird"

 

 

Aus Alt mach Neu – nach diesem Prinzip verfahren neuerdings zwei kreative Köpfe aus Basel. Das Chamäleon im Logo ihres Labels «Aufgehübscht» steht für die Verwandlung von vermeintlich nutzlosen Altkleidern. In ihrem Atelier recyceln Simone Cueni und Rahel Schütze ausrangierte Stoffe zu schmucken Jacken, Shirts, Hosen und Kinderkleidchen. Damit wollen die beiden sowohl Gegensteuer zur Wegwerfmentalität geben wie auch ansprechendes Retro-Handwerk herstellen. «Wir versuchen, unsere Kinder nachhaltig einzukleiden», betont Rahel Schütze. «Made in Bangladesh bereitet mir Mühe», findet auch Cueni. Die zu neuem Glanz gebrachten Recycling-Kleider sollen sowohl Leute, die auf Nachhaltigkeit setzen, ansprechen, aber auch solche, welche etwas Originelles suchen. Alle «aufgehübschten» Kleidungsstücke sind nämlich Unikate. Sie bestehen stets zu mindestens achtzig Prozent aus gebrauchten Materialien, die mit neuwertigen Textilien und Verzierungen ergänzt werden.

«Aus hässlichen Stoffen machen wir ein schönes Produkt», hält Cueni fest. Ein ausgedientes Herren-Hemd wird so zu einem Jupe, ein Fixleintuch und ein Vorhang aus den 60er-Jahren verwandelt sich in eine Kinder-Kapuzenjacke. Sogar alte Geschirrtücher werden verarbeitet. Bei «Aufgehübscht» werden grösstenteils Kinderkleider angefertigt, bisweilen aber auch Damen-Röcke. An Herrenmode habe man sich aber noch nicht herangewagt – dies sei mit oft verspielten Stoffmustern eher schwierig, wie die beiden erklären.

Vor der Bearbeitung wird das Sammelgut, welches nicht selten nach einer langen Keller- oder Estrichlagerung riecht, ausgiebig gewaschen. An Material mangelt es nicht, denn es hat sich längst herumgesprochen, dass es in Basel dankbare Abnehmerinnen für solche Aussschussware gibt. Daher kommen immer wieder Leute mit Altkleidersäcken oder Zügelkisten vorbei. «Viele Leute sind froh darum, wenn sie Material haben, das derart beschädigt ist, dass sie sich nicht einmal trauen, es der Altkleidersammlung abzugeben», stellt Simone Cueni fest.

Mit den Macherinnen von «Aufgehübscht»  haben sich zwei gefunden, die leidenschaftlich gerne schneidern. In einem offenen Nähatelier lernten sich Rahel Schütze und Simone Cueni kennen. Dort entstand die Idee, ihr Handwerk an die Öffentlichkeit zu tragen. Nach einem erfolgreichen Start an einem Strassenfest beschlossen sie, ein Label zu gründen. Der berufliche Hintergrund der passionierten Näherinnen hat nicht direkt mit dieser Tätigkeit zu tun: Cueni ist ausgebildete Ernährungsberaterin und betreut einen Jugendtreffpunkt, Schütze ist gelernte Dekorationsgestalterin und leitet ein Guest House. Dennoch bedeutet das «Aufhübschen» von Kleidern für die beiden mehr als nur ein Hobby – es ist auch eine Geschäftsidee. Nach der ersten Modeschau, die letzten Samstag stattfand, sind die beiden gespannt, wie sich das Konzept weiterentwickelt. Gerne möchten sie ihre Idee noch weiter ausbauen. «Wir träumen davon, einmal einen Laden mit integrierten Ateliers für Teilzeit-Kreative aufzubauen», meint Rahel Schütze.